„Vegan“ ist gerade das Wort, das auf Verpackungen und Produktseiten am häufigsten auftaucht, wenn es um Reitausrüstung ohne Tierleder geht. Was viele nicht wissen: „vegan“ ist ein Tierschutz-Kriterium – kein Qualitäts- oder Nachhaltigkeitssiegel. Zwei Produkte können beide „vegan“ heißen und trotzdem aus völlig unterschiedlichen Materialien bestehen. Wir zeigen dir, worauf es wirklich ankommt.
Was „vegan“ bei Leder tatsächlich bedeutet
Der Begriff „veganes Leder“ sagt ausschließlich aus, dass kein tierisches Material verarbeitet wurde. Er macht keine Aussage darüber, woraus das Material stattdessen besteht. Und genau hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen den Produkten auf dem Markt.
PU-Kunstleder vs. pflanzliches Leder
Der Großteil der „veganen Lederprodukte“ im Reitsport besteht aus PU-Kunstleder – einer Kunststoffbeschichtung auf Textilbasis, hergestellt aus Erdöl. PU-Kunstleder ist oft als „PETA-Approved Vegan“ zertifiziert. Das bestätigt lediglich, dass kein Tiermaterial enthalten ist – nicht, dass ein einziges Gramm des Materials pflanzlich oder biobasiert ist. Kunststoffleder ist außerdem meist weniger atmungsaktiv, neigt nach einigen Jahren zum Rissigwerden und ist nicht biologisch abbaubar.
Pflanzliches Leder dagegen entsteht aus landwirtschaftlichen Reststoffen: Apfeltrester, Kaktusblättern, Ananasfasern oder Traubentrester. Diese Materialien – bekannt unter Markennamen wie Appleskin™, Desserto, Piñatex® oder VEGEA – enthalten einen erheblichen pflanzlichen Anteil, entstehen aus Abfällen statt aus fossilen Rohstoffen und lassen sich, ähnlich wie Echtleder, mit Pflegeprodukten wie Balsam behandeln.
Woran du den Unterschied erkennst
- Hat das Material einen Namen? Steht dort nur „veganes Leder“ oder „PU“, oder ein konkreter Materialname wie Appleskin™, Desserto, Piñatex® oder VEGEA? Benannte Materialien sind meist rückverfolgbar – generische Bezeichnungen oft nicht.
- Woraus besteht es? Ein seriöser Anbieter kann benennen, aus welchem Reststoff das Material gewonnen wird – und woher dieser stammt.
- Gibt es eine Pflegeempfehlung? Hochwertiges pflanzliches Leder braucht, wie Echtleder, gelegentliche Pflege mit Balsam. Wird behauptet, das Material brauche „nie“ Pflege, handelt es sich meist um reine Kunststoffbeschichtung.
Warum die Herkunft ein Qualitätsmerkmal ist
Ein Material, dessen Herkunft benannt werden kann – italienischer Apfeltrester, mexikanische Nopal-Kaktee, philippinische Ananasfasern, Trester aus der Weinproduktion – durchläuft einen dokumentierten Herstellungsprozess. Das ist ein Qualitätsmerkmal, nicht nur ein Nachhaltigkeitsargument: Es bedeutet meist auch eine konstantere Materialqualität und eine nachvollziehbare Lieferkette.
Checkliste: 5 Fragen für den nächsten Kauf
- Wie heißt das Material konkret – gibt es einen Markennamen?
- Aus welchem Reststoff bzw. welcher Pflanze wird es hergestellt?
- Woher stammt der Rohstoff?
- Wie wird das Material gepflegt – und gibt es eine Pflegeanleitung?
- Ist eine Haltbarkeitsangabe oder ein Materialdatenblatt verfügbar?
Auf einen Blick
| PU-Kunstleder | Pflanzliches Leder (z. B. bei Nafilia) | |
|---|---|---|
| Herkunft | Erdöl | Landwirtschaftliche Reststoffe |
| Kennzeichnung | Meist generisch „PU“ oder „veganes Leder“ | Benannte Materialien (Appleskin™, Desserto, Piñatex®, VEGEA) |
| Pflege | Meist keine nötig/möglich | Mit Lederbalsam, wie Echtleder |
| Abbaubarkeit | Nicht biologisch abbaubar | Teilweise biobasiert |
Fazit
„Vegan“ allein sagt noch nichts über Qualität oder Herkunft aus. Bei Nafilia setzen wir deshalb ausschließlich auf benannte, rückverfolgbare pflanzliche Materialien – mehr dazu findest du in unserem Materialvergleich. Schau dich in unserem Shop um und entdecke, welches Material zu dir passt.


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